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Rückblick 2024

Anlernung von sowjetischen Kriegsgefangenem auf der Zeche Emscher-Lippe in Datteln (Sammlung Grau).

Vortrag: 5. Dezember 2024
Dr. habil. Christoph Seidel (Bochum)
„Zwangsarbeitereinsatz im Bergbau“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Während des Zweiten des Weltkrieges leisteten auf den Zechen des Ruhrgebiets circa 350.000 ausländische ZivilarbeiterInnen und Kriegsgefangene Zwangsarbeit.

Der Vortag erläutert den Hintergrund der Zwangsarbeiterbeschäftigung und die unterschiedlichen Bedingungen, die für verschiedene Gruppen von Zwangsarbeitenden galten. Er greift dabei vor allem auf Beispiele der Zwangsarbeiterbeschäftigung auf Bochumer Zechen zurück. Darüber hinaus legt der Vortrag einen Schwerpunkt auf die Zwangsarbeit von sowjetischen Kriegesgefangenen, die in der zweiten Hälfte des Krieges die größte Gruppe unter den Zwangsarbeitenden im Ruhrbergbau darstellten.

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Vortrag: 7. November 2024
PD Dr. Dietmar Bleidick (Bochum)
„Vom Stollen zur Schachtanlage. Vor- und frühindustrieller Bergbau in Bochum zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Im Ruhrtal zwischen Dortmund und Essen liegen die Ursprünge des Ruhrbergbaus. Auch im Bochumer Süden entstanden seit dem 17. Jahrhundert zahlreiche Bergwerke. Nach rund zwei Jahrhunderten Stollenbergbau begann Mitte des 19. Jahrhunderts der Übergang zur modernen Tiefbauzeche. Der Vortrag skizziert diesen Teil der Industriegeschichte und berücksicht dabei die historischen Zechenanlagen und die wirtschaftlichen, technischen, politische und gesellschaftlichen Aspekte. Die Leitlinien dieser Entwicklung und ihre Bedeutung für den Raum Bochum werden vorgestellt.

Eine Besonderheit des Vortrages sind die Bezüge zum 2021 fertiggestellten neuen Bergbauwanderweg Bochum-Süd. Dieser erstreckt sich vom Lottental zum Kemnader Stausee, nach Stiepel und ins Rauendahl. Näheres dazu oder als kleine Wanderempfehlung, siehe:
https://www.ruhrgebiet-industriekultur.de/bergbauwanderweg-bochum-sued/

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Vortrag: 4. Juli 2024
Vera Dinslage, M.A. (Wuppertal)
„Adelsgruppen im Umfeld der Grafen von Berg (1080-1225)“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Oftmals präsentiert sich das Mittelalter uns in heutigen Medien scheinbar als eine Zeit der gewaltigen Persönlichkeiten, der Alleinherrscher, die aufgrund ihres besonderen Individuums ihre Interessen durchsetzten.

Ein Blick in die überlieferten hochmittelalterlichen Quellen aber lehrt, dass uns solche persönlichen Einsichten meistens verwehrt sind. Auf der Ebene der Grafen und der regionalen Herrschaft lassen sich meist nur Vermutungen über die Absichten der Akteure anstellen.

Der regionale Adel und insbesondere die frühen Grafen von Berg sind jedoch bisher ausschließlich als Alleinherrscher erforscht worden. Daher bietet der Ansatz, sie in Personengruppen zu verorten, die Möglichkeit zu neuen Erkenntnissen. So lassen sich Aussagen über ihre Herkunft im 11. Jahrhundert und ihre Bündnispartner im 12. Jahrhundert treffen, sogar in ihre Herrschaftsweise bietet der gruppentheoretische Ansatz neue Einblicke. Der Vortrag von Vera Dinslage skizziert den theoretischen Ansatz, zeichnet anhand ausgewählter Beispiele die Durchführung nach und präsentiert ausgewählte Ergebnisse.

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Vortrag: 6. Juni 2024
Ludwig Schönefeld (Zug, Schweiz)
„125 Jahre Straßenbahnen in Witten – von der Märkischen Straßenbahn über die Westfälische zur Bogestra“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Am 4. Januar 1899 wurde in Witten an der Ruhr die Eröffnung der elektrischen Straßenbahn gefeiert. Das Bevölkerungswachstum des ausgehenden 19. Jahrhunderts und die gewerblich industrielle Entwicklung dieser Zeit erforderten eine zunehmende Mobilität der Menschen. Die weiter werdenden Entfernungen zwischen Wohnungen und Arbeitsstellen verlangten nach öffentlichen Verbindungen in die benachbarten Bergbaugemeinden Annen, Bommern und Langendreer. Bommern und Witten verband seit dem 16. Jahrhundert lediglich eine Ruhrfähre. Die feste Brücke wurde 1883 eröffnet.

Unter der Beteiligung von Witten, Langendreer, Annen und Bommern konnte nach jahrelangen Verhandlungen die „Märkische Straßenbahn“ in Betrieb genommen werden. Dem Unternehmen schlossen sich später auch Werne, Lütgendortmund und Laer an.

Ludwig Schönefeld, profunder Kenner der Regional- und Verkehrsgeschichte im Ruhrgebiet, präsentiert in seinem Vortrag ein breites Spektrum historischer Aufnahmen, die zu einer kurzweiligen Reise durch die Geschichte der Straßenbahn in Witten einladen. Die beeindruckenden Fotos, Ansichtskarten und Dokumente aus öffentlichen und privaten Archiven dokumentieren eindrucksvoll die Entwicklung und den Wandel des Straßenbahnbetriebs sowie des Wagenparks von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Nach dem Vortrag kann das Buch von Ludwig Schönefeld: „Die Straßenbahn in Witten – Unterwegs zwischen Kornmarkt, Crengeldanz, Langendreer und Lütgendortmund“ erworben werden.

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Einladung zur Buchvorstellung: 18. März 2024
Prof. Dr. Heinrich Schoppmeyer (Witten)
„Witten und seine Geschichte im Spiegel des
„Historischen Atlas westfälischer Städte“
Märkisches Museum, 18 Uhr

Die Historische Kommission für Westfalen und das Institut für vergleichende Städtegeschichte, Münster haben den Band 17 der Reihe „Historischer Atlas Westfälischer Städte“ herausgegeben. Bearbeitet wurde die Ausgabe „Witten“ von Prof. Dr. Heinrich Schoppmeyer, der an diesem Abend den Band vorstellt.

Auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse wird die Ortsentwicklung des 1214 erstmals genannten Dorfes Witten aufgezeigt. Karten, Schriftquellen, Ansichten, Fotografien und andere historische Dokumente ordnen die Entwicklung in die Regionalgeschichte ein und machen sie erlebbar von ihren Anfängen bis zur Gegenwart.

Es lohnt sich also, die Stadt nicht nur seit dem Zeitalter der Industrialisierung oder als bedeutenden Standort der Eisen- und Stahlindustrie oder des Kohleabbaus zu betrachten. Witten profitierte schon in früher Zeit „von seiner Lage am Ruhrübergang, während die herrschaftliche Gemengelage zwischen den Kölner Erzbischöfen, den Grafen von Limburg, den Grafen von der Mark und der Reichsstadt Dortmund sowohl Spielräume als auch Gefährdungssituationen schuf. Gravierend wirkten sich die Konflikte der örtlichen Grundherren aus. Seit dem 18. Jahrhundert war der Ort zunehmend gewerblich geprägt. Neben Hammerwerken und Papierfabrikation war es der Kohleabbau, der die ökonomische Entwicklung beeinflusste.“ (Zitat aus dem Ankündigungstext des Ardey-Verlags).

Das Geschehen im 20. Jahrhundert mit zwei Weltkriegen, massiver Zerstörung, Wiederaufbau und Strukturwandel seit den 1960er Jahren wird ebenfalls ausführlich dargestellt.

Zur Vorstellung laden ein: Die Historische Kommission für Westfalen, das Institut für vergleichende Städtegeschichte, die Stadt Witten und der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark (Witten); Grußworte: Lars König (BM Witten), Michael Pavlicic (Kulturausschuss LWL), Hardy Priester (GF VOHM), Prof Dr. Mechthild Black-Veldtrup (HiKo Westfalen).

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Vortrag: 7. März 2024
Nina Fischer (Bochum)
„Bochumer Polizei und GeStaPo: Schlaglichter
anhand von Fundstücken zum Dorney-Wald“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Fast genau auf den Tag des Vortrags, nämlich am 9. März 1943 wurden vor 81 Jahren Wittener Sinti aus dem Lager im Dorney-Wald (Dortmund Oespel-Kley), wo sie seit 1940 wohnen mussten, von der Polizei abgeholt. Sie wurden anschließend von Bochum aus mit dem Zug nach Auschwitz deportiert.

Heute ist das „idyllische“ Areal sowohl ein Naturschutzgebiet (seit 2005) als auch das Trainingsgelände eines örtlichen Fußballvereins und ein vielbesuchtes Naherholungsgebiet für die Wohngebiete an der Stadtgrenze Dortmund und Witten.

PDin Nina Fischer ist Leiterin des Leitungsstabes beim Polizeipräsidium Bochum. Zugleich leitet sie eine Projektgruppe zur kritischen Aufarbeitung der Geschichte des Präsidiums (und der GeStaPo) während und nach der NS-Zeit. Gemeinsam mit ihrem Team beschäftigt sie sich mit erst kürzlich wieder aufgefundenen Zeitdokumenten zum Dorney-Wald und dem sich darin abbildenden Unrecht.

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Vortrag: 1. Februar 2024
Anette Struck (Dortmund)
„Bernhard Hoetger – Dortmunder Bildhauer“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Der 1874 in Dortmund-Hörde geborene Bildhauer, Maler, Architekt und Kunsthandwerker Bernhard Hoetger gilt heute als ein wichtiger Vertreter insbesondere der expressionistischen Skulptur. Seine Werke befinden sich in vielen Museen und Sammlungen und können vielerorts als Kunst im öffentlichen Raum entdeckt werden.

Nach seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf lebte er von 1900 bis 1907 in Paris, wo ihn maßgeblich die moderne Bildhauerei von Auguste Rodin und Aristide Maillol beeinflusste. Gemeinsam mit Maillol etablierte er 1905 eine neue Einfachheit der Form in der Bildhauerei. Ein Jahr später lernte er die junge Paula Modersohn-Becker kennen, die sein Interesse an der Künstlerkolonie Worpswede in Norddeutschland weckte, wohin er 1914 umsiedelte.

Neben der Gestaltung von Teilen der Arbeitersiedlung Mathildenhöhe in Darmstadt und dem skurrilen Café Winuwik in Bad Harzburg, erarbeitete er in Worpswede Entwürfe und Umsetzungen von verschiedenen Gebäuden und widmete sich der Bildhauerei. Er erhielt Gestaltungsaufträge von Firmen wie Bahlsen in Hannover und Kaffee HAG in Bremen.

In der Hansestadt entstand unter seinem Einfluss die heute noch bekannte Böttcherstraße. Während des NS-Regimes wurden seine Arbeiten als sogenannte “entartete” Kunst verfemt, obwohl er selbst sich dem Kunstbegriff des NS-Regimes zeitweise nahe fühlte.  Der Angriff auf seine Kunst beeinträchtigte sein künstlerisches Schaffen bis zu seinem Tod 1949.

Der Vortrag wird ein spannendes Bild eines Teils widersprüchlichen Künstlers in einer Zeit geben, die durch sehr viele künstlerische, soziale und politische Veränderungen geprägt war.

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