Vortrag: 6. Juni 2024
Ludwig Schönefeld (Zug, Schweiz)
„125 Jahre Straßenbahnen in Witten – von der Märkischen Straßenbahn über die Westfälische zur Bogestra“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Am 4. Januar 1899 wurde in Witten an der Ruhr die Eröffnung der elektrischen Straßenbahn gefeiert. Das Bevölkerungswachstum des ausgehenden 19. Jahrhunderts und die gewerblich industrielle Entwicklung dieser Zeit erforderten eine zunehmende Mobilität der Menschen. Die weiter werdenden Entfernungen zwischen Wohnungen und Arbeitsstellen verlangten nach öffentlichen Verbindungen in die benachbarten Bergbaugemeinden Annen, Bommern und Langendreer. Bommern und Witten verband seit dem 16. Jahrhundert lediglich eine Ruhrfähre. Die feste Brücke wurde 1883 eröffnet.

Unter der Beteiligung von Witten, Langendreer, Annen und Bommern konnte nach jahrelangen Verhandlungen die „Märkische Straßenbahn“ in Betrieb genommen werden. Dem Unternehmen schlossen sich später auch Werne, Lütgendortmund und Laer an.

Ludwig Schönefeld, profunder Kenner der Regional- und Verkehrsgeschichte im Ruhrgebiet, präsentiert in seinem Vortrag ein breites Spektrum historischer Aufnahmen, die zu einer kurzweiligen Reise durch die Geschichte der Straßenbahn in Witten einladen. Die beeindruckenden Fotos, Ansichtskarten und Dokumente aus öffentlichen und privaten Archiven dokumentieren eindrucksvoll die Entwicklung und den Wandel des Straßenbahnbetriebs sowie des Wagenparks von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Nach dem Vortrag kann das Buch von Ludwig Schönefeld: „Die Straßenbahn in Witten – Unterwegs zwischen Kornmarkt, Crengeldanz, Langendreer und Lütgendortmund“ erworben werden.

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Einladung zur Buchvorstellung: 18. März 2024
Prof. Dr. Heinrich Schoppmeyer (Witten)
„Witten und seine Geschichte im Spiegel des
„Historischen Atlas westfälischer Städte“
Märkisches Museum, 18 Uhr

Die Historische Kommission für Westfalen und das Institut für vergleichende Städtegeschichte, Münster haben den Band 17 der Reihe „Historischer Atlas Westfälischer Städte“ herausgegeben. Bearbeitet wurde die Ausgabe „Witten“ von Prof. Dr. Heinrich Schoppmeyer, der an diesem Abend den Band vorstellt.

Auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse wird die Ortsentwicklung des 1214 erstmals genannten Dorfes Witten aufgezeigt. Karten, Schriftquellen, Ansichten, Fotografien und andere historische Dokumente ordnen die Entwicklung in die Regionalgeschichte ein und machen sie erlebbar von ihren Anfängen bis zur Gegenwart.

Es lohnt sich also, die Stadt nicht nur seit dem Zeitalter der Industrialisierung oder als bedeutenden Standort der Eisen- und Stahlindustrie oder des Kohleabbaus zu betrachten. Witten profitierte schon in früher Zeit „von seiner Lage am Ruhrübergang, während die herrschaftliche Gemengelage zwischen den Kölner Erzbischöfen, den Grafen von Limburg, den Grafen von der Mark und der Reichsstadt Dortmund sowohl Spielräume als auch Gefährdungssituationen schuf. Gravierend wirkten sich die Konflikte der örtlichen Grundherren aus. Seit dem 18. Jahrhundert war der Ort zunehmend gewerblich geprägt. Neben Hammerwerken und Papierfabrikation war es der Kohleabbau, der die ökonomische Entwicklung beeinflusste.“ (Zitat aus dem Ankündigungstext des Ardey-Verlags).

Das Geschehen im 20. Jahrhundert mit zwei Weltkriegen, massiver Zerstörung, Wiederaufbau und Strukturwandel seit den 1960er Jahren wird ebenfalls ausführlich dargestellt.

Zur Vorstellung laden ein: Die Historische Kommission für Westfalen, das Institut für vergleichende Städtegeschichte, die Stadt Witten und der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark (Witten); Grußworte: Lars König (BM Witten), Michael Pavlicic (Kulturausschuss LWL), Hardy Priester (GF VOHM), Prof Dr. Mechthild Black-Veldtrup (HiKo Westfalen).

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Vortrag: 7. März 2024
Nina Fischer (Bochum)
„Bochumer Polizei und GeStaPo: Schlaglichter
anhand von Fundstücken zum Dorney-Wald“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Fast genau auf den Tag des Vortrags, nämlich am 9. März 1943 wurden vor 81 Jahren Wittener Sinti aus dem Lager im Dorney-Wald (Dortmund Oespel-Kley), wo sie seit 1940 wohnen mussten, von der Polizei abgeholt. Sie wurden anschließend von Bochum aus mit dem Zug nach Auschwitz deportiert.

Heute ist das „idyllische“ Areal sowohl ein Naturschutzgebiet (seit 2005) als auch das Trainingsgelände eines örtlichen Fußballvereins und ein vielbesuchtes Naherholungsgebiet für die Wohngebiete an der Stadtgrenze Dortmund und Witten.

PDin Nina Fischer ist Leiterin des Leitungsstabes beim Polizeipräsidium Bochum. Zugleich leitet sie eine Projektgruppe zur kritischen Aufarbeitung der Geschichte des Präsidiums (und der GeStaPo) während und nach der NS-Zeit. Gemeinsam mit ihrem Team beschäftigt sie sich mit erst kürzlich wieder aufgefundenen Zeitdokumenten zum Dorney-Wald und dem sich darin abbildenden Unrecht.

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Vortrag: 1. Februar 2024
Anette Struck (Dortmund)
„Bernhard Hoetger – Dortmunder Bildhauer“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Der 1874 in Dortmund-Hörde geborene Bildhauer, Maler, Architekt und Kunsthandwerker Bernhard Hoetger gilt heute als ein wichtiger Vertreter insbesondere der expressionistischen Skulptur. Seine Werke befinden sich in vielen Museen und Sammlungen und können vielerorts als Kunst im öffentlichen Raum entdeckt werden.

Nach seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf lebte er von 1900 bis 1907 in Paris, wo ihn maßgeblich die moderne Bildhauerei von Auguste Rodin und Aristide Maillol beeinflusste. Gemeinsam mit Maillol etablierte er 1905 eine neue Einfachheit der Form in der Bildhauerei. Ein Jahr später lernte er die junge Paula Modersohn-Becker kennen, die sein Interesse an der Künstlerkolonie Worpswede in Norddeutschland weckte, wohin er 1914 umsiedelte.

Neben der Gestaltung von Teilen der Arbeitersiedlung Mathildenhöhe in Darmstadt und dem skurrilen Café Winuwik in Bad Harzburg, erarbeitete er in Worpswede Entwürfe und Umsetzungen von verschiedenen Gebäuden und widmete sich der Bildhauerei. Er erhielt Gestaltungsaufträge von Firmen wie Bahlsen in Hannover und Kaffee HAG in Bremen.

In der Hansestadt entstand unter seinem Einfluss die heute noch bekannte Böttcherstraße. Während des NS-Regimes wurden seine Arbeiten als sogenannte “entartete” Kunst verfemt, obwohl er selbst sich dem Kunstbegriff des NS-Regimes zeitweise nahe fühlte.  Der Angriff auf seine Kunst beeinträchtigte sein künstlerisches Schaffen bis zu seinem Tod 1949.

Der Vortrag wird ein spannendes Bild eines Teils widersprüchlichen Künstlers in einer Zeit geben, die durch sehr viele künstlerische, soziale und politische Veränderungen geprägt war.

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Vortrag: 7. Dezember 2023
Dr. Marco Rudzinski (Bochum)
„Louis Baare – Ein Bochumer Managerunternehmer“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Vierzig Jahre lang stand Louis Baare (1821-1897) als Generaldirektor an der Spitze des „Bochumer Vereins für Bergbau und Gussstahlfabrikation“, eines der bedeutendsten Qualitätsstahlproduzenten seiner Zeit.

In seiner Ära entwickelte sich der Bochumer Verein zu einem Unternehmen, das den Bochumer Raum und damit den nordwestlichen Teil der alten Grafschaft Mark maßgeblich prägte.

Der Vortrag von Dr. Rudzinski nimmt das Leben und Wirken von Louis Baare als einer markanten regionalen Industriellenpersönlichkeit des 19. Jahrhunderts, als eines frühen Managerunternehmers überhaupt in den Blick. Dabei steht nicht allein seine Arbeit für das größte Unternehmen Bochums im Mittelpunkt, das Baare zu einem vertikalen Konzern ausbaute. In diesem Zuge vermochte der spätere Ehrenbürger auch die Entwicklung der Stadt in verschiedener Hinsicht zu beeinflussen. Über 34 Jahre war Louis Baare etwa als Stadtverordneter auch kommunalpolitisch aktiv.

Darüber hinaus gilt es eine weitere Seite seiner Tätigkeit zu beachten: Als früher Sachwalter schwerindustrieller Interessen suchte er Einfluss auf die Politik des jungen Kaiserreiches zu gewinnen.

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Vortrag: 2. November 2023
Prof. Dr. Felicitas Schmieder (Hagen)
„Grenzen der Grafschaft Mark in der frühen Regionalkartographie“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Zur Entscheidung von Streitigkeiten um Grenzen oder zum Gewinn eines Überblicks über genaue Rechte und Einkünfte bedarf es der Detailkenntnis über Wälder, Wasserläufe, Wege und Stege. Seit dem 15. Jh. bildeten sich immer größere, geschlossenere Territorien aus, deren Herren feste Residenzen entwickelten. Gleichzeitig entstanden zentrale Gerichte als Appellationsinstanzen für Streitigkeiten vor allem zwischen den Großen.

Der Ortstermin, die Begehung der Grenzen und das Abschreiten der Besitzungen wurden immer umständlicher und mündliche Beschreibungen, die nur in Erinnerung gerufen werden mussten, verloren ihre Funktionalität. So zogen Gerichte und Territorialherren mehr und mehr gezeichnete Karten heran, die kleinere und größere Räume in die Verhältnisse im Inneren wie an den Grenzen abbildeten und lokal aufgenommene Informationen auch über weitere Entfernungen transportieren konnten. Was für uns heute selbstverständlich ist, war damals eine vielfach noch nie gesehene Innovation.

So öffnen für uns heute vor allem die Karten kleinerer Räume Einblicke in eine vergangene Welt: in Orte, die wir heute kennen mögen – die sich aber nicht nur in den vergangenen vier bis fünf Jahrhunderten verändert haben, sondern die auch von Kartenmachern gezeichnet wurden, die einen Blick für ganz andere Wichtigkeiten hatten als wir.

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WWA F81 Nr. 2011 Bild 2 Henschel

Vortrag: 7. September 2023
Prof. Dr. Manfred Rasch (Bochum)
„Das Ruhrgebiet und Witten im Ersten Weltkrieg – Impressionen aus Wirtschaft und Technik“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Der Krieg in der Ukraine zeigt einmal mehr, wie wichtig die „Heimatfront“ ist,
d. h. Logistik und Rüstungsfertigung. Im Ersten Weltkrieg waren Witten und das Ruhrgebiet Teil der deutschen Kriegswirtschaft, der sogenannten Heimatfront.

Einzelne Aspekte dieser Kriegswirtschaft wie Munitions- und Geschützfertigung, Rohstoff-Recycling und Arbeitskräfteeinsatz (Kriegsgefangene, Frauen, Jugendliche) werden im Vortrag vorgestellt, ebenso wie die unmittelbaren Kriegsfolgen: Tote und Verletzte.

Mit dem sogenannten Hindenburg-Programm wurden ab Herbst 1916 neben neuen Fertigungsstätten auch Gefangenenbaracken, Wohnheime und repräsentative Verwaltungen errichtet. Zur Elektrifizierung der Produktion und des Verkehrs wurde linksrheinischer Braunkohlenstrom in das Ruhrgebiet geleitet. Da Benzin knapp war, versuchte man, aus Kohle Ersatz-Treibstoffe zu gewinnen (Bergius Hydrierverfahren und anderes).

Der Krieg veränderte jedoch nicht die montanindustrielle Struktur des Ruhrgebiets, die nun noch um die Kohlechemie ergänzt wurde. Erst rund 50 Jahre später folgte als Ersatz für den Steinkohlenbergbau die Fertigung von Automobilen im Ruhrgebiet.

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Vortrag: 4. Mai 2023
Prof. Dr. Hans H. Hanke (Bochum)
„Das war C. A. Kortum“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Der Name des Arztes Dr. Carl Arnold Kortum ( 1745 – 1824) war seinerzeit in der Grafschaft Mark sehr bekannt. Das Einzugsgebiet von Kortums Praxis reichte weit über seinen Wohnort Bochum hinaus, zumal er 1792 bis 1807 als „Bergarzt“ zum medizinischen Gutachter und Aufsichtsbeamten der Bergleuten für die frisch gegründete Knappschaft geworden war.

Er hielt sich laut Urteil der Medizingeschichte stets auf dem aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnis. So war er einer der ersten Ärzte, der die tödliche, damals weit verbreitete Pockenkrankheit mit der Kuhpockenimpfung bekämpfte. Ein Viertel seiner jährlich rund 1.200 Patienten nahmen Anreisewege von
50 km und mehr in Kauf.

Heute ist die Person C. A. Kortum weit weniger bekannt. Dr. Hans H. Hanke beleuchtet im Vortrag das Leben Kortums und sein Wirken als Arzt, Gelehrter sowie als ebenso erfolgreicher wie unterhaltsamer Dichter in Wort und Bild. Seine „Jobsiade“ war ein Bestseller und wurde ins Englische, Niederländische und Polnische übersetzt. Über all dieses biographisch Bemerkenswerte hinaus wird auch das Nachwirken Kortums betrachtet.

Dr. Hans H. Hanke ist Historiker, Denkmalpfleger und Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Ruhr-Universität Bochum. Er ist Vorsitzender des Bochumer Geschichtsvereins, der „Kortum-Gesellschaft Bochum e.V.“.

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Samstag, 18. März + Sonntag, 19. März 2023
Stadtarchiv und VOHM bieten antiquarisches Buchgut zur Stadt und Regionalgeschichte
Foyer Saalbau (1. Etage), jeweils 15 bis 17 Uhr

Das Stadtarchiv Witten und der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark (VOHM) bieten antiquarische Bücher, Zeitschriften und sogenannte „graue Literatur“ (Veröffentlichungen, die nicht von einem Verlag veröffentlicht wurden und nicht im Buchhandel erhältlich sind) aus den eigenen Beständen an. DerFörderverein Zeche Nachtigall ist ebenfalls mit einem Büchertisch vertreten. Nähere Informationen unter folgenden Link:

Stadtarchiv und VOHM bieten antiquarisches Buchgut zur Stadt- und Regionalgeschichte

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Vortrag: 2. März 2023
Prof. Dr. Franz Peter Lang (Braunschweig)
„Keine Angst vor China – China gestern, heute und morgen“
Märkisches Museum, 19 Uhr

In Politik, Medien und an Stammtischen wird gern nach dem Prinzip „schlechte Nachrichten verkaufen sich gut“ diskutiert, ob China ein bewundernswerter Aufsteiger und künftiger Dominator der Welt sei. Oder wurde es durch den Westen bisher an seiner durch die Geschichte vorgezeichneten Entwicklung dorthin gehindert und strebt darum jetzt über wirtschaftliche Dominanz wirtschaftlich und technologisch zur Weltspitze? Die Realität bleibt dabei in der Regel auf der Strecke und wird durch phantasievolle Übertreibungen oder Schreckensszenarien ersetzt. Insbesondere die „German Angst“ wird dabei gerne instrumentalisiert.

Dabei lässt sich Chinas Bedeutung fakten- und datengestützt leicht und sogar emotionslos unterhaltsam beleuchten. China scheint zwar ein bedeutender Akteur der Weltwirtschaft zu sein, agiert aber dennoch weit entfernt von einer beherrschenden Position. Zwar träumt Chinas Führung traditionell von der Wiederkehr vergangener Größe und bastelt an gewaltigen, weltverändernden Projekten wie der „Neuen Seidenstraße“. Zugleich wird aber China von wirtschaftlichen, demografischen und sozialen Problemen eingeholt, welche seine hochfliegenden Pläne durchaus bremsen können.

Peter Lang kennt China aus seiner Zeit als Gastprofessor in Shanghai seit 1985. Aus langjährigen Beziehungen zu Freunden und Kollegen sind Beziehungen und Erfahrungen entstanden, die er als Wissenschaftler und über viele Jahre auch in deutsch-chinesischen Joint Ventures vertiefen konnte. So kann er hinter chinesische Kulissen in der Provinz blicken, Erfahrungen aus dem chinesischen Mittelstand mitteilen und eine Beurteilung der neuen chinesischen Führung vornehmen, die sich von herkömmlichen Berichten unterscheidet.

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Vortrag: 1. Dezember 2022
Prof. Dr. Hiram Kümper (Mannheim) und Stephanie Pätzold (Wetter)
„Zwei Adolfe und ein Handbuch“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Mitten im Corona-Winter 2020/21 ist es fertig geworden: Das Handbuch zur Geschichte der Grafen von der Mark, das eine Arbeitsgruppe des VOHM über mehrere Jahre erarbeitet hat. Es enthält Biographien der zehn bedeutenden Grafen zwischen Adolf I., der sich als erster nach der Burg Mark auf dem heutigen Stadtgebiet von Hamm nannte, bis hin zu den Herzogen Johann II. und III. von Kleve-Mark, mit denen die Verbindung der Häuser Kleve und Mark zu einer Dynastie endgültig abgeschlossen ist.

Aus der illustren Reihe mal kluger, mal raufboldiger, mal frommer Märker stellen Stephanie Pätzold (Kreisarchiv Wetter) und Hiram Kümper (Universität Mannheim/VOHM), die beide am Handbuch mitgearbeitet haben, zwei sehr unterschiedliche Adolfe vor, die bisher eher im Schatten der anderen Märker standen: Zum einen Adolf II., über dessen eigentliche Herrschaft die Wikipedia, sonst ein Quell von Informationen, bemerkenswerterweise nichts zu berichten weiß – Stephanie Pätzold aber schon. Und zum anderen sein Nachfolger Adolf III., der zweimal ein „Nicht-ganz-Bischof“ wurde und damit seinen berühmten Bruder Engelbert III. stützte. Wie das funktioniert, erzählt Hiram Kümper.

Die beiden Kurzportraits sollen Lust machen auf ein Buch, das wissenschaftlich fundiert und zugleich in einem Bogen erzählt, erstmals die Grafen von der Mark zwischen zwei Buchdeckeln vereint, ohne die gut etablierten Märker-Mythen weiter zu bedienen. Und keine Sorge: Es kann natürlich (für 29,90 €) vor Ort auch erworben werden.

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Vortrag: 3. November 2022
Daniel Sobanski (Herne)
„Die Erzversorgung der Ruhrindustrie im 19. Jahrhundert“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Das Ruhrgebiet ist vor allem für seinen Steinkohlebergbau bekannt und berühmt. Neben der Kohle wurden hier aber auch Eisenerze gefördert und in den Hochöfen der Region verhüttet. Der Vortrag geht der Frage nach, welche Bedeutung die Eisensteine des Ruhrgebiets für die Industrialisierung hatten, besonders im Vergleich mit den Rohstoffen aus anderen Bergrevieren.

Dabei verfolgt die Untersuchung die Entwicklung des Eisenhüttenwesens an der Ruhr vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Gründerkrise der 1870er Jahre. In dem Zusammenhang werden die Forschungsergebnisse rund um die Geschichte des wichtigen und vielfältigen Rohstoffs Eisenstein präsentiert.

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Vortrag: 1. September 2022
Dr. Klaus Wisotzky (Essen)
„Leben und Wirken des Bergarbeiterführers und Sozialdemokraten Otto Hue“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Der Wahlkreis Bochum-Gelsenkirchen-Witten (1903 bis 1912) hatte einen bedeutenden Reichstagsabgeordneten: Otto Hue (1868-1922), der zudem Abgeordneter des Preußischen Landtages war sowie als Gewerkschaftsführer und Sozialdemokrat im Kaiserreich als auch in den Anfangsjahren der Weimarer Republik wirkte.

Hue, der 1895 zum Redakteur der Bergarbeiter-Zeitung ernannt wurde, galt aufgrund seiner rastlosen Tätigkeit, seiner Publikationen, seiner steten Präsenz in der Öffentlichkeit und kraft seiner Persönlichkeit als der eigentliche Repräsentant des freigewerkschaftlichen Bergarbeiterverbandes, der maßgeblich die Strategie und Taktik bestimmte. Er galt als „intellektueller Leiter“ des Verbandes.

Der politische Umbruch im November 1918 bildete den entscheidenden Einschnitt im Leben Otto Hues. Die revolutionären Ereignisse machten die ausgegrenzten, zur Opposition verdammten Sozialdemokraten mit einem Schlag zu Regierenden, die staatspolitische Verantwortung zu tragen hatten.

Otto Hue stand zwar nicht in der allerersten Reihe, doch als nach der Revolution die Sozialisierung des Bergbaus auf der Tagesordnung stand, die gewaltigen Bergarbeiterstreiks das Industriegebiet an der Ruhr erschütterten und die Reparationslieferungen an Frankreich zu verhandeln waren, zählte Hue als Bergbauexperte und Multifunktionär zu den wichtigsten Entscheidungsträgern der jungen Republik.

Absolute Priorität in seinem politischen Denken und Handeln besaß zudem die Beseitigung der gewaltigen Kohlennot. Hue schilderte immer wieder in düsteren Farben, welche Folgen in Sachen Arbeitslosigkeit und Hungersnot es haben werde, wenn die Kohleförderung nicht gesteigert würde. Aus Sorge um die demokratischen Errungenschaften des noch jungen Staates sprach er sich gegen die sofortige Sozialisierung des Bergbaus und gegen die Einführung der bei den Bergleuten so populären 6-Stunden-Schicht aus.

Nach den Wahlen im Januar 1919 gehörte er der Nationalversammlung und dem preußischen Landtag an und galt wegen seiner umfassenden Wirtschaftskenntnisse bei der Bildung der neuen Regierung als ministrabel. Allein wegen seiner angegriffenen Gesundheit lehnte er jedoch das Amt des Wirtschaftsministers ab.

Dr. Klaus Wisotzky, der ehemalige Leiter des Hauses der Essener Geschichte/Stadtarchiv, der zurzeit eine umfängliche Biographie zu Otto Hue erarbeitet, schildert in seinem Vortrag Leben und Wirken dieses „ungekrönten Königs“ der deutschen Bergarbeiterschaft (Hans Mommsen).

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Vortrag: 3. September 2022
Riccardo Altieri (Würzburg)
„Antifaschisten, das waren wir ...“
Haus Witten, Kinosaal, Ruhrstraße 86,
58452 Witten, 18 Uhr

Veranstalter in Kooperation:
Stadtarchiv Witten, Trotz Allem, soziokulturelles Zentrum Witten,
Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark

Der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark weist als Mitveranstalter gern auf diesen Vortrag hin, der nicht im Märkischen Museum, sondern im Haus Witten stattfindet.

Zur Biographie der Wittenerin Rosi Wolfstein und ihrem Partner Paul Frölich
Rosi Wolfstein war Kriegsgegnerin, Sozialdemokratin, Sozialistin, Kommunistin, am Ende wieder Sozialdemokratin, stets Antifaschistin – und gebürtige Wittenerin. Einer liberalen jüdischen Familie entwachsen, sozialisierte sie sich im linken politischen Spektrum des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, musste in der NS-Zeit fliehen und kehrte später mit ihrem Partner zurück nach Deutschland. Seit 1996 erinnert in Witten u. a. ein Straßenname an Rosi Wolfstein.

Zum Referenten
Riccardo Altieri ist Historiker. Nach dem Studium in Würzburg promovierte er in Potsdam mit einer Doppelbiographie über Rosi Wolfstein und ihren Partner Paul Frölich. Seit 2022 leitet er das Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken mit Sitz in Würzburg.

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Studienfahrt: 24. September 2022
Schloss Cappenberg
9:00 bis 18:00 Uhr

Sie steht nicht nur Vereinsmitgliedern, sondern auch weiteren Interessierten offen.

Anmeldung bitte bis zum 15.09.2022
über die homepage mit NAME, ANSCHRIFT, TELEFON und unter Überweisung der Kostenbeteiligung in Höhe von 35,-- Euro bis zum 15.09.2022 oder
telefonisch bei Herrn Dembski mit anschließend schriftlicher Anmeldung
montags: (02302) 581-2417 oder freitags: (02302) 581-2554

Programm:
9.00 / 9.15 Uhr Parkplatz Feuerwache, Dortmunder Strasse in 58452 Witten (Abfahrt und Treffpunkt)

10.15 Uhr Führung durch die Ausstellung „Barbarossa – die Kunst der Herrschaft“ anschließend: Führung durch die Ausstellung zu Leben und Wirken des Freiherrn vom Stein, der auf Schloss Cappenberg lebte und der bedeutend für die gewerblich-industrielle Entwicklung nicht nur des östlichen Ruhrgebietes und der angrenzenden Kreise südlich der Ruhr war.

12.15 Uhr Mittagessen im Wittenbrink´s Hof in Werne

14.30 Uhr Führung durch die Parkanlagen am Schloss Cappenberg, das ursprünglich als Kloster gegründet worden war, auch Stiftskirchbesichtigung und/oder Turmbesteigung sind angedacht

16.00 Uhr Kaffee und Kuchen

ca. 18.00 Uhr Ankunft zurück in Witten

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Exkursion: 28. Oktober 2022
Führung durch das Museum
zur Geschichte der Diakonissen
Diakoniewerk Ruhr, Pferdebachstr. 39a, 16:00 Uhr

In diesem Jahr gibt es wieder anstelle des Graf-Engelbert-Essens eine kleine Exkursion in erreichbarer Nähe – zumindest für Mitglieder aus Witten und Umgebung. Herzlich willkommen sind auch Nicht-Vereinsmitglieder.

Wir werden an einer Führung durch das Museum zur Geschichte der Diakonissen im Diakoniewerk Ruhr teilnehmen und erleben viel Wissenswertes um die fürsorgliche Arbeit von Diakonissen in evangelischen Gemeinden und Krankenhäusern. In einer der ersten „Frauenberufe“ überhaupt haben Diakonissen einerseits ihre Identität als familienunabhängige Personen gestaltet und andererseits waren sie unverzichtbar für die Betreuung pflege- und hilfsbedürftiger Personen.

Anmeldung bitte bis zum 30.09.2022
über die homepage mit NAME, ANSCHRIFT, TELEFON und unter Überweisung der Kostenbeteiligung in Höhe von 22-- Euro bis zum 30.09.2022 oder
telefonisch bei Herrn Dembski mit anschließend schriftlicher Anmeldung
montags: (02302) 581-2417 oder freitags: (02302) 581-2554

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Vortrag: 2. Juni 2022
Dr. Dirk Ziesing (Bochum)
„Der Deutsch-Französische Krieg 1870/1871
anhand der Wittener Denkmäler“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Kriege hinterlassen Spuren!
Kriegsereignisse traumatisieren die Beteiligten, die Opfer, die Kämpfenden, die Überlebenden. Die Deutungsprinzipien derer, die sich als „Sieger“ verstehen, unterscheiden sich von denen der „Besiegten“. Manche Aussage, manche Überzeugung spiegelt sich in den Relikten, die im Nachgang solcher Kriegsereignisse als Monumente erstellt worden sind und als Elemente von Erinnerungskultur eine zeitlang oder länger Bestand hatten und haben.

Der Deutsch-Französische Krieg (Juli 1870 bis Januar 1871) hinterließ auch in Witten solche Spuren. In der Folgezeit wurden zahlreiche Denkmäler in Witten und seinen heutigen Stadtteilen Annen, Herbede und Heven errichtet. Straßen wurden nach den Hauptakteuren und nach Kriegsschauplätzen benannt. Manches ist bis heute erhalten.

Der Vortrag wirft einen Blick auf die Vorgeschichte des Deutsch-Französischen Krieges und die Kriegsereignisse selbst. Er bezieht Wittener Persönlichkeiten wie Berger, Eckardt, Haarmann, Heidsieck, König, Lohmann, Reunert, Schott, Sonnenschein und andere sowie deren wirtschaftliche Interessen ein. Die aufstrebende Montanindustrie zog zahlreiche Menschen in dieser Zeit aus anderen Regionen nach Witten, die sich hier entsprechende Verdienstmöglichkeiten erhofften.

Die vorliegenden Forschungsergebnisse sind in einer Publikation dokumentiert.

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Vortrag: 7. April 2022
Prof. Dr. Rainer Pöppinghege (Paderborn)
„Republik im Bürgerkrieg. Kapp-Putsch und Gegenbewegung an Ruhr und Lippe 1919/1920“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Die Konflikte der jungen Weimarer Republik wurden nicht nur in parlamentarischen Versammlungen, sondern auch auf der Straße und mit der Waffe in der Hand ausgetragen. Schließlich eskalierten sie sogar in einem Bürgerkrieg. Einer der zentralen Schauplätze dieser Jahre der Gewalt lag in Westfalen: Im östlichen und im rechtsrheinischen Ruhrgebiet schlossen sich im März 1920 die Gegner der antirepublikanischen Putschisten um Kapp und Lüttwitz zusammen; hier trafen bewaffnete Kräfte von links und rechts aufeinander, und hier formierte sich die „Rote Ruhrarmee“, um den Putsch zu bekämpfen und die Novemberrevolution von 1918 doch noch zu einer sozialistischen Revolution zu machen.

Der VOHM hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden

In der Jahreshauptversammlung am 11. November 2021 wurde ein neuer Vorsitzender gewählt. Die Mitglieder des VOHM freuen sich, in Prof. Dr. Hiram Kümper, der an der Universität in Mannheim Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit lehrt, einen kompetenten und engagierten neuen
Vorsitzenden gefunden zu haben.

Da Prof. Kümper seinen Hauptwohnsitz in Bochum hat, wird er trotz seiner Professur in Mannheim die Belange des VOHM auch unmittelbar hier vor Ort sehr gut vertreten können. Die Herausgabe des Märkischen Jahrbuches 121 (2021), die sich situationsbedingt etwas verschoben hat, wird von ihm in Zusammenarbeit mit dem Redaktionsteam zeitnah umgesetzt.

Der VOHM freut sich, zwei aktuelle Publikationen vorstellen zu können.

Die Grafen von der Mark - Ein biographisches Handbuch
(hrsg. von Dietrich Thier/Stefan Pätzold)

Die Grafen von der Mark gehörten im späten Mittelalter über viele Jahrzehnte hinweg zu den bedeutendsten weltlichen Dynasten Westfalens. Sieht man von den beiden, in den märkischen Gebotsbereich hineinragenden Grafschaften Dortmund und Limburg ab, erstreckte sich ihre Grafschaft – östlich von Essen und westlich von Soest – beiderseits der Ruhr von Lünen und Hamm an der Lippe bis nach Neustadt südlich der Agger, einem Nebenfluss der Sieg.
Nach der Schlacht von Worringen im Jahr 1288 erlangten die Grafen eine herzogsgleiche Stellung, auch wenn sie vom König zunächst noch nicht in den Fürstenstand erhoben worden waren. Sie errichteten Burgen, etwa die ihnen den Namen gebende Burg Mark bei Hamm, gründeten Städte sowie Freiheiten und hielten, wenn auch noch an wechselnden Orten, Hof.

Städte in Westfalen. Geschichte vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches
Prof. Dr. Heinrich Schoppmeyer

Die Städtepublikation mit 38 Plänen bzw. Karten ist am 7. Juni 2021 erschienen. Inhaltlich wird ein breiter Bogen gespannt, von der Entstehung der frühen Städte Westfalens, über die „heimliche Hauptstadt Soest“, die Bürgerkämpfe des 15. Jahrhunderts und die Veränderungen der sozialen und politischen Strukturen, bis hin zu Bevölkerungswachstum, Wirtschaftspolitik und der Profilierung städtischer Strukturen.
Im einzelnen ist Spannendes zu erfahren über:

- Die Ausbildung der ältesten Städte Westfalens
- Die landesherrlichen Städtegründungen in Westfalen
- Die Städte im Zeichen des Territoriums:
Stadt und Stadtstruktur zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert
- Die Städte Westfalens während des „langen“ 16.Jahrhunderts
- Die Städte Westfalens in der frühen Neuzeit

Denkmäler in Witten

Ein interessanter Fotogruß erreichte uns auch von Herrn Richard Nagel:

Das Foto zeigt die ehemalige Zeche Blankenburg im Hammertal, aufgenommen um ca. 1900. Der Großvater des Einsenders war von 1891 bis 1919 Direktor der Zechenanlage. Man beachte die Dienstkalesche im linken Bildvordergrund.

DONNERSTAG, 4. Oktober 2018, 18 Uhr
AUFGETAUCHT: DIE STEINHAUSER HÜTTE
Vortrag von Jann Höller, Sebasti an Luke (Archäologie am Hellweg) und Dr. Olaf Schmidt-Rutsch (LWL-Industriemuseum)

Anfang des Jahres wurden bei Arbeiten zur Erschließung eines neuen Gewerbegebietsan der Straße „Drei Könige“ Fundamente der Steinhauser Hütte entdeckt. Schnell war klar, dass auf dem Gelände ein einzigartiger Fund gelungenwar, sind doch Reste eines Stahlwerks aus der Anfangsphase der Industrialisierung bislang so nirgendwo erhalten. Aus diesem Grund wurden die in immer größerem Umfang zu Tage tretenden Fundamente unter Bodendenkmalschutz gestellt und dokumentiert. Der Großteil der Funde wurde nach der Dokumentation wieder verfüllt und die Flächewurde zur weiteren Nutzung freigegeben. Aktuell stellt sich nun die Frage, ob nicht im Kernbereich des ältesten Teils derAnlage, des 1855 in Betrieb gegangenen Puddelwerks ein archäologisches Sichtfensteroffen gehalten werden kann und sollte. Damit könnte gerade die früheStahlerzeugung dokumentiert werden, wie an bislang keinem anderen Ort. Undzukünftigen Besuchern könnten zudem in Erweiterung der Darstellung moderne Methoden im Vergleich anschaulich vermittelt werden.Ein derartiger Ort fehlt bislang im Ruhrgebiet und ist darüber hinaus auch nichtvorhanden. Der Vortrag am 04.10.2018 führt in die Geschichte und Bedeutung der Steinhauser Hütte ein und vermitt elt einen Einblick in die Arbeit der Archäologen und die Möglichkeiten moderner Dokumentationstechnik. Gezeigt werden Methoden von der Fotogrammetrie bis hin zum Drohnenflug. Auch digitale Modelle der Anlage können gezeigt werden. Natürlich stehen die Referenten fürRückfragen und zur Diskussion zur Verfügung.Der Eintritt ist frei. Auch Nichtmitglieder sind herzlich willkommen.