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Aktuelle Vorträge und Veranstaltungen 2026
Auf dieser Seite finden Sie die vom VOHM geplanten Vorträge und Veranstaltungen für das aktuelle Jahr. Eine Übersicht über vergangene Vorträge finden Sie auf der Seite "Rückblick".

Senkungssumpf Grotenbach 1931, © Emschergenossenschaft

12. März 2026
Dr. Dietmar Bleidick (Bochum)
„Von der Kloake zur blau-grünen Flusslandschaft: Die Emscher und die Abwasserwirtschaft im Ruhrgebiet zwischen Geschichte und Gegenwart“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Das Ruhrgebiet entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das ursprünglich ländliche und dünn besiedelte Gebiet zwischen Duisburg und Dortmund wandelte sich zur größten Industrieregion Europas. Die Entwicklung war durch die Montanindustrie geprägt. Zechen und Stahlwerke sorgten mit ihrem hohen Arbeitskräftebedarf für eine rasche, aber weitgehend ungeordnete Urbanisierung. Dabei blieb der Ausbau der technischen Infrastruktur der wachsenden Städte defizitär. Dies betraf vor allem die Abwasserwirtschaft. Das Brauch- und Nutzwasser wurde nach historischem Vorbild in die Fluss- und Bachlandschaft des Ruhrgebiets entsorgt. Topografisch bedingt flossen sie vor allem in die Emscher, einen kleinen Flachlandfluss im Zentrum des Ruhrgebiets, der in den Rhein mündet.

Angesichts der begrenzten Aufnahmefähigkeit der Emscher und der durch den untertägigen Kohleabbau verursachten Absenkungen der Erdoberfläche kam es im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einer Abwasserkatastrophe. Dauerhaft überschwemmte Gebiete mit entsprechender Seuchengefahr erforderten eine große und umfassende Lösung. Diese orientierte sich zeittypisch an den technischen Möglichkeiten der Entwässerung bei gleichzeitig möglichst geringen Kosten. Ab 1904 baute die Emschergenossenschaft als erster deutscher Abwasserverband das Flusssystem zu einem System von offenen Abwasserkanälen um. Man „regulierte“ die Natur, sodass sie dem Bedarf entsprach. Hauptziel war die geordnete Ableitung über den Rhein in die Nordsee, während die Abwasserreinigung nur eine geringe Rolle spielte.

Mit dem Wandel des Umweltbewusstseins änderte sich seit den 1980er Jahren die Perspektive. Die Emscher und ihre Nebenbäche wurden so weit wie möglich in einen naturnahen Zustand versetzt und sind seit 2022 abwasserfrei. Flora und Fauna können sich vielerorts wieder frei entfalten, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Lebensqualität im Ruhrgebiet.

Der Bildvortrag zeichnet die Entwicklung der Abwasserwirtschaft im Ruhrgebiet in den vergangenen rund 150 Jahren nach. Im Mittelpunkt stehen die Abwasserkrise des Ruhrgebiets in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Regulierungsmaßnahmen der Emschergenossenschaft und die seit den 1990er Jahren umgesetzte Renaturierung des Flusssystems, die weltweit beispielhaft sind. Einblicke in die Klärtechnik und die durch den Klimawandel bedingten neuen Herausforderungen an die Wasser- und Abwasserwirtschaft ergänzen diese Ausführungen.

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Ausschnitt aus einer Karte des Kartographen Karl von Spruner (Quelle: MDZ)

5. Februar 2026
Dr. Henrike Bolte (Dortmund)
„Fernhandel – Freiheit – Familie: Die Hanse- und Reichsstadt Dortmund im späten Mittelalter“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Der Fernhandel und die Reichsfreiheit machten Dortmund im Mittelalter reich und unabhängig. In den Anfängen der Hansezeit war der Einfluss der Dortmunder Kaufleute im Russlandhandel so groß, dass es beinahe ein Neu-Dortmund im Baltikum gegeben hätte. Als nach der Großen Fehde der finanzielle Bankrott Dortmunds diese Geschäftsbeziehungen zu zerstören drohte, konnten Wohlstand und Einfluss mithilfe des Reichs erneuert werden. Überdies blieb das familiäre Beziehungsnetz zwischen den Hansestädten Reval (Tallinn), Brügge oder London stets eng geknüpft, nicht zuletzt durch die Frauen.

Da der Russlandhandel über Livland, dem heutigen Estland und Lettland, erfolgte, wurden Dortmunds Verbindungen ins Baltikum in der umfangreichen Überlieferung des Tallinner Stadtarchivs recherchiert. Die hier verwahrten Briefe und Handelsbücher des auch mit Dortmund verknüpften Hansekaufmanns Hildebrand Veckinghusen wurden 2023 ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Der Vortrag zeigt anhand der Korrespondenz zwischen den Hansestädten erstens, dass Dortmund sein Prestige als freie Reichsstadt argumentativ einsetzte, um in der Krisenzeit nach der Großen Fehde die persönliche Unversehrtheit und Geschäfte seiner Bürger im fernen Baltikum zu schützen. Dazu wurde die vom Reich gewährten Zoll- und Gerichtsfreiheiten immer wieder beschworen und die Hilfe des römischen Königs bzw. Kaisers eingefordert. So kam es mehrmals im 15. Jahrhundert zu Aufschwüngen der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Dortmunds. Zweitens lässt sich in Anlehnung an die jüngere Hanseforschung die Entwicklung der Dortmunder Wolltuchproduktion vom landwirtschaftlichen Nebengewerbe hin zu einem von städtischer Seite normierten und qualitätskontrollierten, komplett auf den Fernhandel zugeschnittenen Großgewerbe nachvollziehen. Drittens ließen sich viele Belege finden für eine persönliche, familiäre Verknüpfung der handeltreibenden Bürger und Bürgerinnen der Hansestädte und ihre im Lehrlingsalter beginnende, über weite Entfernungen und nicht selten lebenslang anhaltende Mobilität.

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