Rückblick 2022

Vortrag: 1. Dezember 2022
Prof. Dr. Hiram Kümper (Mannheim) und Stephanie Pätzold (Wetter)
„Zwei Adolfe und ein Handbuch“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Mitten im Corona-Winter 2020/21 ist es fertig geworden: Das Handbuch zur Geschichte der Grafen von der Mark, das eine Arbeitsgruppe des VOHM über mehrere Jahre erarbeitet hat. Es enthält Biographien der zehn bedeutenden Grafen zwischen Adolf I., der sich als erster nach der Burg Mark auf dem heutigen Stadtgebiet von Hamm nannte, bis hin zu den Herzogen Johann II. und III. von Kleve-Mark, mit denen die Verbindung der Häuser Kleve und Mark zu einer Dynastie endgültig abgeschlossen ist.
Aus der illustren Reihe mal kluger, mal raufboldiger, mal frommer Märker stellen Stephanie Pätzold (Kreisarchiv Wetter) und Hiram Kümper (Universität Mannheim/VOHM), die beide am Handbuch mitgearbeitet haben, zwei sehr unterschiedliche Adolfe vor, die bisher eher im Schatten der anderen Märker standen: Zum einen Adolf II., über dessen eigentliche Herrschaft die Wikipedia, sonst ein Quell von Informationen, bemerkenswerterweise nichts zu berichten weiß – Stephanie Pätzold aber schon. Und zum anderen sein Nachfolger Adolf III., der zweimal ein „Nicht-ganz-Bischof“ wurde und damit seinen berühmten Bruder Engelbert III. stützte. Wie das funktioniert, erzählt Hiram Kümper.
Die beiden Kurzportraits sollen Lust machen auf ein Buch, das wissenschaftlich fundiert und zugleich in einem Bogen erzählt, erstmals die Grafen von der Mark zwischen zwei Buchdeckeln vereint, ohne die gut etablierten Märker-Mythen weiter zu bedienen. Und keine Sorge: Es kann natürlich (für 29,90 €) vor Ort auch erworben werden.

Vortrag: 3. November 2022
Daniel Sobanski (Herne)
„Die Erzversorgung der Ruhrindustrie im 19. Jahrhundert“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Das Ruhrgebiet ist vor allem für seinen Steinkohlebergbau bekannt und berühmt. Neben der Kohle wurden hier aber auch Eisenerze gefördert und in den Hochöfen der Region verhüttet. Der Vortrag geht der Frage nach, welche Bedeutung die Eisensteine des Ruhrgebiets für die Industrialisierung hatten, besonders im Vergleich mit den Rohstoffen aus anderen Bergrevieren.
Dabei verfolgt die Untersuchung die Entwicklung des Eisenhüttenwesens an der Ruhr vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Gründerkrise der 1870er Jahre. In dem Zusammenhang werden die Forschungsergebnisse rund um die Geschichte des wichtigen und vielfältigen Rohstoffs Eisenstein präsentiert.

Vortrag: 1. September 2022
Dr. Klaus Wisotzky (Essen)
„Leben und Wirken des Bergarbeiterführers und Sozialdemokraten Otto Hue“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Der Wahlkreis Bochum-Gelsenkirchen-Witten (1903 bis 1912) hatte einen bedeutenden Reichstagsabgeordneten: Otto Hue (1868-1922), der zudem Abgeordneter des Preußischen Landtages war sowie als Gewerkschaftsführer und Sozialdemokrat im Kaiserreich als auch in den Anfangsjahren der Weimarer Republik wirkte.
Hue, der 1895 zum Redakteur der Bergarbeiter-Zeitung ernannt wurde, galt aufgrund seiner rastlosen Tätigkeit, seiner Publikationen, seiner steten Präsenz in der Öffentlichkeit und kraft seiner Persönlichkeit als der eigentliche Repräsentant des freigewerkschaftlichen Bergarbeiterverbandes, der maßgeblich die Strategie und Taktik bestimmte. Er galt als „intellektueller Leiter“ des Verbandes.
Der politische Umbruch im November 1918 bildete den entscheidenden Einschnitt im Leben Otto Hues. Die revolutionären Ereignisse machten die ausgegrenzten, zur Opposition verdammten Sozialdemokraten mit einem Schlag zu Regierenden, die staatspolitische Verantwortung zu tragen hatten.
Otto Hue stand zwar nicht in der allerersten Reihe, doch als nach der Revolution die Sozialisierung des Bergbaus auf der Tagesordnung stand, die gewaltigen Bergarbeiterstreiks das Industriegebiet an der Ruhr erschütterten und die Reparationslieferungen an Frankreich zu verhandeln waren, zählte Hue als Bergbauexperte und Multifunktionär zu den wichtigsten Entscheidungsträgern der jungen Republik.
Absolute Priorität in seinem politischen Denken und Handeln besaß zudem die Beseitigung der gewaltigen Kohlennot. Hue schilderte immer wieder in düsteren Farben, welche Folgen in Sachen Arbeitslosigkeit und Hungersnot es haben werde, wenn die Kohleförderung nicht gesteigert würde. Aus Sorge um die demokratischen Errungenschaften des noch jungen Staates sprach er sich gegen die sofortige Sozialisierung des Bergbaus und gegen die Einführung der bei den Bergleuten so populären 6-Stunden-Schicht aus.
Nach den Wahlen im Januar 1919 gehörte er der Nationalversammlung und dem preußischen Landtag an und galt wegen seiner umfassenden Wirtschaftskenntnisse bei der Bildung der neuen Regierung als ministrabel. Allein wegen seiner angegriffenen Gesundheit lehnte er jedoch das Amt des Wirtschaftsministers ab.
Dr. Klaus Wisotzky, der ehemalige Leiter des Hauses der Essener Geschichte/Stadtarchiv, der zurzeit eine umfängliche Biographie zu Otto Hue erarbeitet, schildert in seinem Vortrag Leben und Wirken dieses „ungekrönten Königs“ der deutschen Bergarbeiterschaft (Hans Mommsen).

Vortrag: 3. September 2022
Riccardo Altieri (Würzburg)
„Antifaschisten, das waren wir ...“
Haus Witten, Kinosaal, Ruhrstraße 86,
58452 Witten, 18 Uhr
Veranstalter in Kooperation:
Stadtarchiv Witten, Trotz Allem, soziokulturelles Zentrum Witten,
Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark
Der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark weist als Mitveranstalter gern auf diesen Vortrag hin, der nicht im Märkischen Museum, sondern im Haus Witten stattfindet.
Zur Biographie der Wittenerin Rosi Wolfstein und ihrem Partner Paul Frölich
Rosi Wolfstein war Kriegsgegnerin, Sozialdemokratin, Sozialistin, Kommunistin, am Ende wieder Sozialdemokratin, stets Antifaschistin – und gebürtige Wittenerin. Einer liberalen jüdischen Familie entwachsen, sozialisierte sie sich im linken politischen Spektrum des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, musste in der NS-Zeit fliehen und kehrte später mit ihrem Partner zurück nach Deutschland. Seit 1996 erinnert in Witten u. a. ein Straßenname an Rosi Wolfstein.
Zum Referenten
Riccardo Altieri ist Historiker. Nach dem Studium in Würzburg promovierte er in Potsdam mit einer Doppelbiographie über Rosi Wolfstein und ihren Partner Paul Frölich. Seit 2022 leitet er das Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken mit Sitz in Würzburg.
Studienfahrt: 24. September 2022
Schloss Cappenberg
9:00 bis 18:00 Uhr
Sie steht nicht nur Vereinsmitgliedern, sondern auch weiteren Interessierten offen.
Anmeldung bitte bis zum 15.09.2022
über die homepage mit NAME, ANSCHRIFT, TELEFON und unter Überweisung der Kostenbeteiligung in Höhe von 35,-- Euro bis zum 15.09.2022 oder
telefonisch bei Herrn Dembski mit anschließend schriftlicher Anmeldung
montags: (02302) 581-2417 oder freitags: (02302) 581-2554
Programm:
9.00 / 9.15 Uhr Parkplatz Feuerwache, Dortmunder Strasse in 58452 Witten (Abfahrt und Treffpunkt)
10.15 Uhr Führung durch die Ausstellung „Barbarossa – die Kunst der Herrschaft“ anschließend: Führung durch die Ausstellung zu Leben und Wirken des Freiherrn vom Stein, der auf Schloss Cappenberg lebte und der bedeutend für die gewerblich-industrielle Entwicklung nicht nur des östlichen Ruhrgebietes und der angrenzenden Kreise südlich der Ruhr war.
12.15 Uhr Mittagessen im Wittenbrink´s Hof in Werne
14.30 Uhr Führung durch die Parkanlagen am Schloss Cappenberg, das ursprünglich als Kloster gegründet worden war, auch Stiftskirchbesichtigung und/oder Turmbesteigung sind angedacht
16.00 Uhr Kaffee und Kuchen
ca. 18.00 Uhr Ankunft zurück in Witten
Exkursion: 28. Oktober 2022
Führung durch das Museum
zur Geschichte der Diakonissen
Diakoniewerk Ruhr, Pferdebachstr. 39a, 16:00 Uhr
In diesem Jahr gibt es wieder anstelle des Graf-Engelbert-Essens eine kleine Exkursion in erreichbarer Nähe – zumindest für Mitglieder aus Witten und Umgebung. Herzlich willkommen sind auch Nicht-Vereinsmitglieder.
Wir werden an einer Führung durch das Museum zur Geschichte der Diakonissen im Diakoniewerk Ruhr teilnehmen und erleben viel Wissenswertes um die fürsorgliche Arbeit von Diakonissen in evangelischen Gemeinden und Krankenhäusern. In einer der ersten „Frauenberufe“ überhaupt haben Diakonissen einerseits ihre Identität als familienunabhängige Personen gestaltet und andererseits waren sie unverzichtbar für die Betreuung pflege- und hilfsbedürftiger Personen.
Anmeldung bitte bis zum 30.09.2022
über die homepage mit NAME, ANSCHRIFT, TELEFON und unter Überweisung der Kostenbeteiligung in Höhe von 22-- Euro bis zum 30.09.2022 oder
telefonisch bei Herrn Dembski mit anschließend schriftlicher Anmeldung
montags: (02302) 581-2417 oder freitags: (02302) 581-2554

Vortrag: 2. Juni 2022
Dr. Dirk Ziesing (Bochum)
„Der Deutsch-Französische Krieg 1870/1871
anhand der Wittener Denkmäler“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Kriege hinterlassen Spuren!
Kriegsereignisse traumatisieren die Beteiligten, die Opfer, die Kämpfenden, die Überlebenden. Die Deutungsprinzipien derer, die sich als „Sieger“ verstehen, unterscheiden sich von denen der „Besiegten“. Manche Aussage, manche Überzeugung spiegelt sich in den Relikten, die im Nachgang solcher Kriegsereignisse als Monumente erstellt worden sind und als Elemente von Erinnerungskultur eine zeitlang oder länger Bestand hatten und haben.
Der Deutsch-Französische Krieg (Juli 1870 bis Januar 1871) hinterließ auch in Witten solche Spuren. In der Folgezeit wurden zahlreiche Denkmäler in Witten und seinen heutigen Stadtteilen Annen, Herbede und Heven errichtet. Straßen wurden nach den Hauptakteuren und nach Kriegsschauplätzen benannt. Manches ist bis heute erhalten.
Der Vortrag wirft einen Blick auf die Vorgeschichte des Deutsch-Französischen Krieges und die Kriegsereignisse selbst. Er bezieht Wittener Persönlichkeiten wie Berger, Eckardt, Haarmann, Heidsieck, König, Lohmann, Reunert, Schott, Sonnenschein und andere sowie deren wirtschaftliche Interessen ein. Die aufstrebende Montanindustrie zog zahlreiche Menschen in dieser Zeit aus anderen Regionen nach Witten, die sich hier entsprechende Verdienstmöglichkeiten erhofften.
Die vorliegenden Forschungsergebnisse sind in einer Publikation dokumentiert.

Vortrag: 7. April 2022
Prof. Dr. Rainer Pöppinghege (Paderborn)
„Republik im Bürgerkrieg. Kapp-Putsch und Gegenbewegung an Ruhr und Lippe 1919/1920“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Die Konflikte der jungen Weimarer Republik wurden nicht nur in parlamentarischen Versammlungen, sondern auch auf der Straße und mit der Waffe in der Hand ausgetragen. Schließlich eskalierten sie sogar in einem Bürgerkrieg. Einer der zentralen Schauplätze dieser Jahre der Gewalt lag in Westfalen: Im östlichen und im rechtsrheinischen Ruhrgebiet schlossen sich im März 1920 die Gegner der antirepublikanischen Putschisten um Kapp und Lüttwitz zusammen; hier trafen bewaffnete Kräfte von links und rechts aufeinander, und hier formierte sich die „Rote Ruhrarmee“, um den Putsch zu bekämpfen und die Novemberrevolution von 1918 doch noch zu einer sozialistischen Revolution zu machen.

