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Rückblick 2023

Vortrag: 7. Dezember 2023
Dr. Marco Rudzinski (Bochum)
„Louis Baare – Ein Bochumer Managerunternehmer“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Vierzig Jahre lang stand Louis Baare (1821-1897) als Generaldirektor an der Spitze des „Bochumer Vereins für Bergbau und Gussstahlfabrikation“, eines der bedeutendsten Qualitätsstahlproduzenten seiner Zeit.

In seiner Ära entwickelte sich der Bochumer Verein zu einem Unternehmen, das den Bochumer Raum und damit den nordwestlichen Teil der alten Grafschaft Mark maßgeblich prägte.

Der Vortrag von Dr. Rudzinski nimmt das Leben und Wirken von Louis Baare als einer markanten regionalen Industriellenpersönlichkeit des 19. Jahrhunderts, als eines frühen Managerunternehmers überhaupt in den Blick. Dabei steht nicht allein seine Arbeit für das größte Unternehmen Bochums im Mittelpunkt, das Baare zu einem vertikalen Konzern ausbaute. In diesem Zuge vermochte der spätere Ehrenbürger auch die Entwicklung der Stadt in verschiedener Hinsicht zu beeinflussen. Über 34 Jahre war Louis Baare etwa als Stadtverordneter auch kommunalpolitisch aktiv.

Darüber hinaus gilt es eine weitere Seite seiner Tätigkeit zu beachten: Als früher Sachwalter schwerindustrieller Interessen suchte er Einfluss auf die Politik des jungen Kaiserreiches zu gewinnen.

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Vortrag: 2. November 2023
Prof. Dr. Felicitas Schmieder (Hagen)
„Grenzen der Grafschaft Mark in der frühen Regionalkartographie“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Zur Entscheidung von Streitigkeiten um Grenzen oder zum Gewinn eines Überblicks über genaue Rechte und Einkünfte bedarf es der Detailkenntnis über Wälder, Wasserläufe, Wege und Stege. Seit dem 15. Jh. bildeten sich immer größere, geschlossenere Territorien aus, deren Herren feste Residenzen entwickelten. Gleichzeitig entstanden zentrale Gerichte als Appellationsinstanzen für Streitigkeiten vor allem zwischen den Großen.

Der Ortstermin, die Begehung der Grenzen und das Abschreiten der Besitzungen wurden immer umständlicher und mündliche Beschreibungen, die nur in Erinnerung gerufen werden mussten, verloren ihre Funktionalität. So zogen Gerichte und Territorialherren mehr und mehr gezeichnete Karten heran, die kleinere und größere Räume in die Verhältnisse im Inneren wie an den Grenzen abbildeten und lokal aufgenommene Informationen auch über weitere Entfernungen transportieren konnten. Was für uns heute selbstverständlich ist, war damals eine vielfach noch nie gesehene Innovation.

So öffnen für uns heute vor allem die Karten kleinerer Räume Einblicke in eine vergangene Welt: in Orte, die wir heute kennen mögen – die sich aber nicht nur in den vergangenen vier bis fünf Jahrhunderten verändert haben, sondern die auch von Kartenmachern gezeichnet wurden, die einen Blick für ganz andere Wichtigkeiten hatten als wir.

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WWA F81 Nr. 2011 Bild 2 Henschel

Vortrag: 7. September 2023
Prof. Dr. Manfred Rasch (Bochum)
„Das Ruhrgebiet und Witten im Ersten Weltkrieg – Impressionen aus Wirtschaft und Technik“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Der Krieg in der Ukraine zeigt einmal mehr, wie wichtig die „Heimatfront“ ist,
d. h. Logistik und Rüstungsfertigung. Im Ersten Weltkrieg waren Witten und das Ruhrgebiet Teil der deutschen Kriegswirtschaft, der sogenannten Heimatfront.

Einzelne Aspekte dieser Kriegswirtschaft wie Munitions- und Geschützfertigung, Rohstoff-Recycling und Arbeitskräfteeinsatz (Kriegsgefangene, Frauen, Jugendliche) werden im Vortrag vorgestellt, ebenso wie die unmittelbaren Kriegsfolgen: Tote und Verletzte.

Mit dem sogenannten Hindenburg-Programm wurden ab Herbst 1916 neben neuen Fertigungsstätten auch Gefangenenbaracken, Wohnheime und repräsentative Verwaltungen errichtet. Zur Elektrifizierung der Produktion und des Verkehrs wurde linksrheinischer Braunkohlenstrom in das Ruhrgebiet geleitet. Da Benzin knapp war, versuchte man, aus Kohle Ersatz-Treibstoffe zu gewinnen (Bergius Hydrierverfahren und anderes).

Der Krieg veränderte jedoch nicht die montanindustrielle Struktur des Ruhrgebiets, die nun noch um die Kohlechemie ergänzt wurde. Erst rund 50 Jahre später folgte als Ersatz für den Steinkohlenbergbau die Fertigung von Automobilen im Ruhrgebiet.

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Vortrag: 4. Mai 2023
Prof. Dr. Hans H. Hanke (Bochum)
„Das war C. A. Kortum“
Märkisches Museum, 19 Uhr

Der Name des Arztes Dr. Carl Arnold Kortum ( 1745 – 1824) war seinerzeit in der Grafschaft Mark sehr bekannt. Das Einzugsgebiet von Kortums Praxis reichte weit über seinen Wohnort Bochum hinaus, zumal er 1792 bis 1807 als „Bergarzt“ zum medizinischen Gutachter und Aufsichtsbeamten der Bergleuten für die frisch gegründete Knappschaft geworden war.

Er hielt sich laut Urteil der Medizingeschichte stets auf dem aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnis. So war er einer der ersten Ärzte, der die tödliche, damals weit verbreitete Pockenkrankheit mit der Kuhpockenimpfung bekämpfte. Ein Viertel seiner jährlich rund 1.200 Patienten nahmen Anreisewege von
50 km und mehr in Kauf.

Heute ist die Person C. A. Kortum weit weniger bekannt. Dr. Hans H. Hanke beleuchtet im Vortrag das Leben Kortums und sein Wirken als Arzt, Gelehrter sowie als ebenso erfolgreicher wie unterhaltsamer Dichter in Wort und Bild. Seine „Jobsiade“ war ein Bestseller und wurde ins Englische, Niederländische und Polnische übersetzt. Über all dieses biographisch Bemerkenswerte hinaus wird auch das Nachwirken Kortums betrachtet.

Dr. Hans H. Hanke ist Historiker, Denkmalpfleger und Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Ruhr-Universität Bochum. Er ist Vorsitzender des Bochumer Geschichtsvereins, der „Kortum-Gesellschaft Bochum e.V.“.

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Samstag, 18. März + Sonntag, 19. März 2023
Stadtarchiv und VOHM bieten antiquarisches Buchgut zur Stadt und Regionalgeschichte
Foyer Saalbau (1. Etage), jeweils 15 bis 17 Uhr

Das Stadtarchiv Witten und der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark (VOHM) bieten antiquarische Bücher, Zeitschriften und sogenannte „graue Literatur“ (Veröffentlichungen, die nicht von einem Verlag veröffentlicht wurden und nicht im Buchhandel erhältlich sind) aus den eigenen Beständen an. DerFörderverein Zeche Nachtigall ist ebenfalls mit einem Büchertisch vertreten. Nähere Informationen unter folgenden Link:

Stadtarchiv und VOHM bieten antiquarisches Buchgut zur Stadt- und Regionalgeschichte

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Vortrag: 2. März 2023
Prof. Dr. Franz Peter Lang (Braunschweig)
„Keine Angst vor China – China gestern, heute und morgen“
Märkisches Museum, 19 Uhr

In Politik, Medien und an Stammtischen wird gern nach dem Prinzip „schlechte Nachrichten verkaufen sich gut“ diskutiert, ob China ein bewundernswerter Aufsteiger und künftiger Dominator der Welt sei. Oder wurde es durch den Westen bisher an seiner durch die Geschichte vorgezeichneten Entwicklung dorthin gehindert und strebt darum jetzt über wirtschaftliche Dominanz wirtschaftlich und technologisch zur Weltspitze? Die Realität bleibt dabei in der Regel auf der Strecke und wird durch phantasievolle Übertreibungen oder Schreckensszenarien ersetzt. Insbesondere die „German Angst“ wird dabei gerne instrumentalisiert.

Dabei lässt sich Chinas Bedeutung fakten- und datengestützt leicht und sogar emotionslos unterhaltsam beleuchten. China scheint zwar ein bedeutender Akteur der Weltwirtschaft zu sein, agiert aber dennoch weit entfernt von einer beherrschenden Position. Zwar träumt Chinas Führung traditionell von der Wiederkehr vergangener Größe und bastelt an gewaltigen, weltverändernden Projekten wie der „Neuen Seidenstraße“. Zugleich wird aber China von wirtschaftlichen, demografischen und sozialen Problemen eingeholt, welche seine hochfliegenden Pläne durchaus bremsen können.

Peter Lang kennt China aus seiner Zeit als Gastprofessor in Shanghai seit 1985. Aus langjährigen Beziehungen zu Freunden und Kollegen sind Beziehungen und Erfahrungen entstanden, die er als Wissenschaftler und über viele Jahre auch in deutsch-chinesischen Joint Ventures vertiefen konnte. So kann er hinter chinesische Kulissen in der Provinz blicken, Erfahrungen aus dem chinesischen Mittelstand mitteilen und eine Beurteilung der neuen chinesischen Führung vornehmen, die sich von herkömmlichen Berichten unterscheidet.

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