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Aktuelle Vorträge und Veranstaltungen 2026
Auf dieser Seite finden Sie die vom VOHM geplanten Vorträge und Veranstaltungen für das aktuelle Jahr. Eine Übersicht über vergangene Vorträge finden Sie auf der Seite "Rückblick".

Logo, gestaltet von Daniel Marre

10. September 2026
Dr. Thomas Throckmorton (Mannheim)
„Wittens Golden Era – eine lokale Hip Hop-Geschichte“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Wittens Stadtgeschichte ist facettenreicher als vielen klar ist – auch in der Geschichte des deutschen Hip Hop hat die Stadt einen festen Platz! Bei einem Vortragsabend mit DJ Set laden der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark, der Historiker Dr. Thomas Throckmorton und DJ WolloW zu einer Zeitreise in die Golden Era des Wittener Hip Hop ein und beleuchten die Geschichte der lokalen Szene.

„Die Zeit ist reif für den neuen Scheiß!“ – Mitten in der ersten großen Deutschrapwelle im Jahr 2000 setzt die Crew Creutzfeld & Jakob Witten mit einem großen Ausrufezeichen auf die hiesige Hip Hop-Landkarte. Das Album „Gottes Werk und Creutzfelds Beitrag“ macht nicht nur einen Bunker im Stadtteil Annen zum deutschlandweit wohl bekanntesten Ort in Witten, sondern ist auch der Grund, warum eine ganze Generation von Rapfans eine Stadt feiert, obwohl die meisten noch nie in ihrem Leben dort gewesen sind. Doch Wittens Hip Hop-Geschichte ist mehr als eine Crew und ein Album und kann nicht erzählt werden, ohne weitere Akteure wie Dike oder OnAnOn zu erwähnen. Man kann sie auch nicht vollends verstehen, wenn man nicht das Ruhrgebiet als bedeutendes Zentrum für deutschen Hip Hop mit einbezieht.

Der Historiker Dr. Thomas Throckmorton zeichnet in seinem Vortrag nach, wie die lokale Szene um die Bunkerwelt Witten entstanden ist, welche Bedeutung sie in der gesamtdeutschen Szene entfalten konnte und wie sie sich entwickelt hat.

Hip Hop ist die bedeutendste Jugend- und Subkultur der letzten Jahrzehnte und hat unsere Gesellschaft nachhaltig geprägt – sei es in der Musik, bei der Kleidung, der Kommunikation oder Design. Es wird also Zeit, diese Bedeutung zu würdigen und sich mit seiner Geschichte zu befassen – und zwar gerade auch lokal! Zu diesem Zweck hat Throckmorton nicht nur verschiedenste Quellen und Medien ausgewertet, sondern auch Hintergrundgespräche mit wichtigen Akteuren der Szene geführt. Er ist selbst Hip Hop-Fan und gehört genau zu der Generation, für die der Bunker seinerzeit der bekannteste Ort Wittens wurde. Nach dem Vortrag übernimmt mit DJ WolloW ein Mitglied der Wittener Szene und legt im Foyer des Märkischen Museums auf.

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Arbeiter in Rotorring aus Chrom-Nickelstahl, 1928 (Fotograf: Ernst Topp)
Historisches Archiv Krupp (Essen), F 45/2783

02. Juli 2026
Prof. Dr. Ralf Stremmel (Essen)
„Arbeit und Alltag zwischen Demokratie und Diktatur. Fotografien vom Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation, 1927 – 1945“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Im „Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation“ genoss die Fotografie einen hohen Stellenwert. Die Firma beschäftigte so viele Fotografen wie kaum ein anderes Unternehmen in Deutschland, und die Fotografen lieferten Aufnahmen von weit überdurchschnittlicher Qualität. Für die interne Dokumentation und die Öffentlichkeitsarbeit waren die Bilder unverzichtbar. Die Werksfotografen nahmen jedoch nicht nur Maschinen, Werkshallen und Produkte auf, sondern auch Ereignisse von allgemeiner lokaler und regionaler Bedeutung, zum Beispiel Sportfeste, Theateraufführungen, Ausstellungen oder Parteitage der NSDAP.

Im Historischen Archiv Krupp (Essen) sind rund 52.000 Aufnahmen aus der Zeit des „Bochumer Vereins“ zwischen 1927 und 1945 überliefert. Der Vortrag stellt eine Auswahl vor und fragt nach ihren Hintergründen, nach den Arbeitsweisen der Fotografen und der zeitgenössischen Nutzung der Aufnahmen. Kernfragen sind, wie ein heutiger Betrachter historische Bilder entschlüsseln kann und was die Fotografie überhaupt über die damalige Wirklichkeit aussagt.

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Rundkiosk, Hauptstraße 19 in Witten, Baujahr 1958, unter Schutz gestellt 2006 (Foto: G. Hennemann, 2025)

07. Mai 2026
Dr. Hans H. Hanke (Bochum)
„Wie das Gesetz uns befahl? – Geschichte, Chancen und Grenzen des Denkmalschutzes“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

In den letzten Jahren hat es immer wieder Diskussionen um den Denkmalschutz gegeben, nicht zuletzt um Gebäude aus der Zeit nach 1945. Am Beispiel einiger Baudenkmäler in Witten und vergleichbarer Objekte an anderen Orten soll gezeigt werden, wie sich im Laufe der Zeit der gesetzliche Denkmalschutz gesetzlich und im öffentlichen Bewusstsein entwickelt hat. Nicht zuletzt ist dabei auch auf Anlass, Geschichte, Aufbau und Zuständigkeiten des staatlichen Denkmalschutzes einzugehen.

Dr. Hans H. Hanke ist Architekturhistoriker, Denkmalpfleger und Lehrbeauftragter an der Ruhr-Universität Bochum. Ehrenamtlich ist er im Vorstand des Bochumer Geschichtsvereins „Kortum-Gesellschaft Bochum e. V.“ und in der „Ruhrmoderne e. V.“.

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Senkungssumpf Grotenbach 1931, © Emschergenossenschaft

12. März 2026
Dr. Dietmar Bleidick (Bochum)
„Von der Kloake zur blau-grünen Flusslandschaft: Die Emscher und die Abwasserwirtschaft im Ruhrgebiet zwischen Geschichte und Gegenwart“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Das Ruhrgebiet entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das ursprünglich ländliche und dünn besiedelte Gebiet zwischen Duisburg und Dortmund wandelte sich zur größten Industrieregion Europas. Die Entwicklung war durch die Montanindustrie geprägt. Zechen und Stahlwerke sorgten mit ihrem hohen Arbeitskräftebedarf für eine rasche, aber weitgehend ungeordnete Urbanisierung. Dabei blieb der Ausbau der technischen Infrastruktur der wachsenden Städte defizitär. Dies betraf vor allem die Abwasserwirtschaft. Das Brauch- und Nutzwasser wurde nach historischem Vorbild in die Fluss- und Bachlandschaft des Ruhrgebiets entsorgt. Topografisch bedingt flossen sie vor allem in die Emscher, einen kleinen Flachlandfluss im Zentrum des Ruhrgebiets, der in den Rhein mündet.

Angesichts der begrenzten Aufnahmefähigkeit der Emscher und der durch den untertägigen Kohleabbau verursachten Absenkungen der Erdoberfläche kam es im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einer Abwasserkatastrophe. Dauerhaft überschwemmte Gebiete mit entsprechender Seuchengefahr erforderten eine große und umfassende Lösung. Diese orientierte sich zeittypisch an den technischen Möglichkeiten der Entwässerung bei gleichzeitig möglichst geringen Kosten. Ab 1904 baute die Emschergenossenschaft als erster deutscher Abwasserverband das Flusssystem zu einem System von offenen Abwasserkanälen um. Man „regulierte“ die Natur, sodass sie dem Bedarf entsprach. Hauptziel war die geordnete Ableitung über den Rhein in die Nordsee, während die Abwasserreinigung nur eine geringe Rolle spielte.

Mit dem Wandel des Umweltbewusstseins änderte sich seit den 1980er Jahren die Perspektive. Die Emscher und ihre Nebenbäche wurden so weit wie möglich in einen naturnahen Zustand versetzt und sind seit 2022 abwasserfrei. Flora und Fauna können sich vielerorts wieder frei entfalten, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Lebensqualität im Ruhrgebiet.

Der Bildvortrag zeichnet die Entwicklung der Abwasserwirtschaft im Ruhrgebiet in den vergangenen rund 150 Jahren nach. Im Mittelpunkt stehen die Abwasserkrise des Ruhrgebiets in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Regulierungsmaßnahmen der Emschergenossenschaft und die seit den 1990er Jahren umgesetzte Renaturierung des Flusssystems, die weltweit beispielhaft sind. Einblicke in die Klärtechnik und die durch den Klimawandel bedingten neuen Herausforderungen an die Wasser- und Abwasserwirtschaft ergänzen diese Ausführungen.

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Ausschnitt aus einer Karte des Kartographen Karl von Spruner (Quelle: MDZ)

5. Februar 2026
Dr. Henrike Bolte (Dortmund)
„Fernhandel – Freiheit – Familie: Die Hanse- und Reichsstadt Dortmund im späten Mittelalter“
Märkisches Museum, 19 Uhr
Eintritt frei

Der Fernhandel und die Reichsfreiheit machten Dortmund im Mittelalter reich und unabhängig. In den Anfängen der Hansezeit war der Einfluss der Dortmunder Kaufleute im Russlandhandel so groß, dass es beinahe ein Neu-Dortmund im Baltikum gegeben hätte. Als nach der Großen Fehde der finanzielle Bankrott Dortmunds diese Geschäftsbeziehungen zu zerstören drohte, konnten Wohlstand und Einfluss mithilfe des Reichs erneuert werden. Überdies blieb das familiäre Beziehungsnetz zwischen den Hansestädten Reval (Tallinn), Brügge oder London stets eng geknüpft, nicht zuletzt durch die Frauen.

Da der Russlandhandel über Livland, dem heutigen Estland und Lettland, erfolgte, wurden Dortmunds Verbindungen ins Baltikum in der umfangreichen Überlieferung des Tallinner Stadtarchivs recherchiert. Die hier verwahrten Briefe und Handelsbücher des auch mit Dortmund verknüpften Hansekaufmanns Hildebrand Veckinghusen wurden 2023 ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Der Vortrag zeigt anhand der Korrespondenz zwischen den Hansestädten erstens, dass Dortmund sein Prestige als freie Reichsstadt argumentativ einsetzte, um in der Krisenzeit nach der Großen Fehde die persönliche Unversehrtheit und Geschäfte seiner Bürger im fernen Baltikum zu schützen. Dazu wurde die vom Reich gewährten Zoll- und Gerichtsfreiheiten immer wieder beschworen und die Hilfe des römischen Königs bzw. Kaisers eingefordert. So kam es mehrmals im 15. Jahrhundert zu Aufschwüngen der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Dortmunds. Zweitens lässt sich in Anlehnung an die jüngere Hanseforschung die Entwicklung der Dortmunder Wolltuchproduktion vom landwirtschaftlichen Nebengewerbe hin zu einem von städtischer Seite normierten und qualitätskontrollierten, komplett auf den Fernhandel zugeschnittenen Großgewerbe nachvollziehen. Drittens ließen sich viele Belege finden für eine persönliche, familiäre Verknüpfung der handeltreibenden Bürger und Bürgerinnen der Hansestädte und ihre im Lehrlingsalter beginnende, über weite Entfernungen und nicht selten lebenslang anhaltende Mobilität.

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